Digitale Kompetenzen - der Schlüssel zur modernen Arztpraxis
23.06.2022 12:18

Digitale Kompetenzen - der Schlüssel zur modernen Arztpraxis

Laut NET-Metrix nutzen über 6,3 Millionen Personen ab 14 Jahren in der Schweiz das Internet, wobei 2019 bereits 96 Prozent aller Haushalte Zugang zum Internet hatten. Mit hoher Zugangsdichte gehen auch erhöhte Nutzungsbereitschaft und indirekt erhöhte digitale Kompetenzen in der Bevölkerung einher. Viele Schweizer sind somit längst bereit digitale Angebote zu nutzen, die jedoch in einigen Bereichen, wie dem Gesundheitswesen nur zögerlich vorangetrieben werden. 

Diese Lücke lässt sich nur schließen, indem im Gesundheitsbereich medizinisches Fachwissen zusätzlich auch um digitale Kompetenzen erweitert wird. So lassen sich mit modernen Ideen, Ansätzen und Lösungen jene Menschen ansprechen, die längst auf ebensolche warten. 

Was das für Betreiber von Arztpraxen, ihre Mitarbeiter und letztlich auch das Patientenerlebnis bedeutet, möchten wir im Folgenden aufzeigen.

Was versteht man unter digitale Kompetenzen?

Der Begriff entsteht bereits vor einigen Jahren mit dem Aufkommen der Informationstechnologie und der Verbreitung von entsprechenden Systemen zur Verarbeitung digital vorliegender Informationen. Digitale Kompetenzen umfassen somit die Fähigkeiten, diese IT-Systeme effizient für sich zwecks Arbeit, Bildung oder auch im Bereich Freizeit nutzen zu können. So viel zur Definition.

Damit sind allerdings nicht nur die Nutzung gängiger Medien und Geräte gemeint, sondern insbesondere auch ein grundlegendes Verständnis dafür, wie Informationen aufbereitet und verarbeitet werden können und welche Tools dafür zur Verfügung stehen. 

Im Wesentlichen können folgende Teil-Kompetenzen abgeleitet werden:

  • Informations- und Datenkompetenz: die Fähigkeit, sich digital vorliegende Informationen zu beschaffen, zu verwalten, zu filtern und weiterzuverarbeiten. 
  • Digitale Inhalte erstellen und gestalten: beschreibt im weiteren Sinne Programmierkenntnisse oder auch die Fähigkeiten kreative Inhalte über digitale Tools zu erstellen. 
  • Kommunikation und Kooperation: Befähigt Menschen dazu, Kommunikationskanäle zu nutzen, um Informationsfluss zu ermöglichen oder auch neue Kontakte auf digitalem Wege zu erschließen.
  • Kenntnisse über Datenschutz und Recht im Internet: Speziell im Umgang mit sensiblen Daten, wie es im Gesundheitswesen erforderlich ist, ist dies eine Grundkompetenz für hier tätige Mitarbeiter:innen.
  • Technische Lösungskompetenzen: sie ermöglichen es, einfachere Problemstellungen erkennen, beschreiben und einordnen sowie gegebenenfalls auch selbst lösen zu können.  

Die Frage, die sich aufzeigt, lautet wie folgt: Wieso stellen diese Fertigkeiten einen wesentlichen Faktor für den Erfolg von Unternehmen und damit letztlich auch Arztpraxen und anderen Anbietern im Gesundheitswesen dar? 

Digitale Grundkompetenzen als Grundstein für Optimierungen

Während die Digitalisierung beispielsweise bereits durch vereinfachte Prozesse im administrativen Bereich einen Wettbewerbsvorteil mit sich bringt, ist es zeitgleich auch erforderlich, die Potenziale überhaupt erst identifizieren zu können, um sie folglich auch erschließen und effizient für sich nutzen zu können. 

Genau hier ist es erforderlich, digitale Grundkompetenzen als eine Anforderung sowohl an neues als auch an bestehendes Personal zu stellen. Während es sich für größere Unternehmen oft deutlich lohnt, Fachkräfte und Spezialisten in diesen Bereichen einzustellen, ist dies bei der personellen Größenordnung, die in Arztpraxen vorliegt, oft nicht der Fall. Daher ist jede Form digitaler Kompetenz, die ein:e Mitarbeiter:in speziell im Bereich der Verwaltung und Organisation von Arztpraxen aufweist, ein Pluspunkt. Sie kann dazu führen, Abläufe intern, aber auch nach außen hin zu optimieren.
Eine weitere Frage ergibt sich hieraus: Worauf sollte in Bezug auf eine Praxis ein Schwerpunkt gelegt werden und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Die Vorteile digitaler Kompetenzen bei Mitarbeiter:innen in Arztpraxen

Wir wissen, dass der administrative Aufwand innerhalb einer Praxis gegenüber der tatsächlichen medizinischen Versorgung von Patienten einen signifikanten Anteil einnimmt. Um bisher manuell getätigte Prozesse zu automatisieren, benötigt es gleich mehrere der vorhin aufgezählten Teilkompetenzen. Sind Ihre Mitarbeiter:innen selbstständig in der Lage zu erkennen, welche Handgriffe, Problem- oder Fragen sich für eine Automatisierung eignen, da sie häufig wiederkehren, so werden sie im eigenen Interesse beginnen, Optimierungsvorschläge vorzulegen. 

Damit diese Vorschläge auch umsetzbar sind, ist es von Vorteil gesetzliche digitale Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen vorab zu kennen und zu berücksichtigen. Angestellte, die sich hier proaktiv aufgrund ihrer Fähigkeiten einbringen, wirken so Schritt für Schritt an der Entwicklung Ihrer Praxis mit. Doch Achtung, nicht jede Veränderung ist von Beginn an bei allen Beteiligten willkommen und will entsprechend gemanagt werden.

Die Herausforderungen im Change-Management 

Die beste Voraussetzung dafür, einen stetigen digitalen Wandel innerhalb einer Praxis erfolgreich zu vollziehen, ist ein agiles, innovationsfreudiges Team. Führen Sie sich jedoch auch vor Augen, dass nicht die Angestellten alleine den Erfolg der Veränderungen verantworten - ganz im Gegenteil. 

Es liegt in der Verantwortung der Praxisleitung hier einen geeigneten Prozess zu etablieren, in dem Vorschläge eingeholt, evaluiert und gemeinsam umgesetzt werden können. Schaffen Sie es, Ihre Mitarbeiter:innen auf diese Weise einzubinden, steigt damit nicht nur die Motivation und das Gefühl der Wertschätzung des Einzelnen, sondern auch die Effizienz innerhalb der Praxis und damit die Qualität des Patientenerlebnisses. Im Rahmen eines monatlichen Meetings können gesammelte Ideen, Erfahrungen und Lösungsansätze gemeinsam aufgearbeitet werden:

  • Wie lauten aktuell Herausforderungen?
  • Gibt es dafür Lösungen?
  • Was ist das konkrete Ergebnis einer erfolgreichen Umsetzung?
  • Was wird benötigt, um die Lösung umzusetzen? 
  • Wer wird wofür zur Umsetzung benötigt. 
  • Wie viel Zeit und Budget erfordert das Vorhaben? 

Diese zentralen Fragen sollten Teil einer regelmäßigen Evaluierung Ihrer internen Prozesse sein und gemeinsam mit allen Beteiligten offen diskutiert werden. Häufig hat sich bestätigt, dass Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter:innen mit ins Boot holen, von überaus positiven Ergebnissen überrascht wurden1

Hand aufs Herz, wissen Sie, wie häufig Termine abgesagt werden, wie lange ein durchschnittliches Telefonat zwecks Terminvereinbarung zwischen Ihrer Assistenz und Ihren Patienten benötigt oder wie viel Zeit und Geld es benötigt, Ihre Patienten langfristig und wiederkehrend zur Bewertung Ihrer Praxis anzusprechen, geschweige denn, Ihren Online-Auftritt zu pflegen? Ihre Mitarbeiterinnen wissen exakt, wo sie wie viel ihrer Zeit einsetzen und häufig auch, wo diese gespart oder besser aufgehoben wäre. Dieses Wissen steht jederzeit zur Verfügung.

Fördern Sie digitale Weiterbildung ihrer Mitarbeiter

Unter dem Gesichtspunkt des wertvollen Mitarbeiters, der eine Praxis nicht nur instand hält, sondern laufend weiterentwickelt, zahlt sich eine Investition durchwegs aus. Eine Aus- und Weiterbildung im Bereich der digitalen Kompetenzen wirkt sich langfristig positiv auf das ganzheitliche Arbeiten innerhalb der Arztpraxis aus. 

Ihre Mitarbeiter:innen lernen zu erkennen, wo manuelle Tätigkeiten einen erheblichen Nachteil gegenüber Automatisierungen haben und können aktiv Recherche zu entsprechenden digitalen Lösungen betreiben, diese evaluieren und in einigen Fällen sogar eigenständig in Absprache mit Ihnen umsetzen. Dies kann vorrangig bei organisatorischen und administrativen Aufgaben wie  der (Online-)Terminbuchung, Erinnerungen, oder auch die Stornierung ebendieser einbringen. All dies sind wiederkehrende Aufgaben, die sich stark vereinfachen lassen - auch dank digitaler Lösungen. Im Zusammenhang mit geschulten und innovationsfreundlichen Mitarbeiter:innen ist das der Schlüssel.

Nutzen Sie dazu vielfältige Angebote wie Kurse und Schulungen mit entsprechenden Themenschwerpunkten. Von kurzen Workshops bis hin zu Weiterbildungen mit zertifizierten Abschlüssen steht Ihnen eine Bandbreite von Möglichkeiten zur Verfügung, die einen Stillstand und damit langfristigen Wettbewerbsnachteil entgegenwirkt. Oder finden Sie heraus, was insbesondere online und digital per Medicosearch möglich ist.

Lesen Sie dazu mehr über Digitalisierung und Automatisierung in Arztpraxen und allgemein im Gesundheitsbereich in unserem Blog, um zukünftig wirkungsvolle Hebel zur Modernisierung Ihrer Praxis zu identifizieren und Patient:innen eine stimmige, zeitgemäße Versorgung bieten zu können.

 

Titelbild von Kindel Media. Weitere Bilder von Michaela A. und Miguél A. Padrinan.

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